Hip Hop als Kritik - Hiphop als Aktion
Über den Text
Der folgende Text stellt die Meinung eines schwarzen Autors dar. In Anbetracht von Gruppen wie Public Enemy, die sogenannten Conscious Rap (ernsthaften, kritisierenden, oft politischen Rap) machen, fragt er nach dem politischen Charakter von Hip-Hop, insbesondere inwiefern dieser kritisch und protestlerisch ist. Und wie Hiphop als politisches Protest-Instrument gegen Unterdrückung und Tyrannisierung genutzt werden konnte und kann. Der Artikel ist nicht ganz up to date. Wenn wir von Hiphop-SMS.com mal Zeit haben, kümmern wir uns darum, auf Obama und so einzugehen.
Hip-Hop Politik Geschichte
In den 1980er Jahren und Anfang der 1990er Jahre gab es Rap-Künstler, wie Public Enemy, KRS-One, X-Clan und Paris, als Reaktion auf die negativen Auswirkungen der wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen der Reagan-Bush Verwaltungen. So entstanden Songs mit sozialem Bewußtsein, Songs wie "The Devil Made Me Do It." oder "Who Protects Us From You", Songs, die Hiphop zu einer politischen Bewegung machten. Stichtwort: Conscious Rap. Zusammen mit schwerem lyrischem Inhalt (mehr als sonst im Hip-Hop üblich), begannen diese Rap-Künstler den Tausch ihrer enormen Gold-Ketten für afrikanische Medaillons und ihrer Designer-Kleidung gegen schmucklose, utilitaristische Kleidung, die nur dem Verschleiß diente. Während dieser Zeit waren es Rap-Künstler, nicht Black Churches oder traditionelle Bürgerrechts-Organisationen, die durch ihre Musik und Persönlichkeiten eine Verbindung zur entrechteten städtischen Jugend herstellten. So fiel hier der kommerzielle Erfolg zusammen mit politischem Mitspracherecht, im Sinne von Gefragt-Sein, wie z.B. 1992, nach den Los Angeles Unruhen (black riots) aufgrund des Falles von Rodney King, als Rap Künstler wie Ice Cube oder Ice T von den Medien befragt wurden. Sie schienen die Post-Bürgerrechtler, die neuen politischen Aktivisten. Raptivisten!
Doch bald verkam diese Position und Rap wurde wieder anders, zumindest in den Mainstream-Medien. Rapper waren jetzt bekannt für ihren Nachnamen, nicht ihre Taten oder Worte, und als Möchtegern-Aktiviten angesehen. "Black Empowerement"-Schreien und eine finanzielle Unterstützung der schwarzen Community sah nämlich wirklich gut aus. Vor der Kamera. Und in den Medien. Und das erkannten zuviele, zuviele, die Hip-Hop Politik zu ungunsten ihrer eigenen Leute verwässerten. Es war nicht mehr authentisch und die Erben von Public Enemy und Co. waren oft zu simpel und naiv in ihren Texten und Aussagen, als dass man sie ernstgenommen hätte. Sie waren keine Hiphop-Künstler, sondern Rap Radio Stars. Und nicht mehr mehr.
So gingen die letzten Versuche einiger Künstler, Fahrzeuge für den Wandel zu bauen, systematisch unter. Manchmal war es schlicht ein Mangel an Erfahrung, manchmal jedoch ein Mangel an politischer Intelligenz oder Kapital. Die Unfähigkeit der aufschlussreichen Künstler eine politische Bewegung zu organisieren, unterstreicht den Widerspruch der so genannten Hip-Hop-Politik. Während die Rapper und die mit ihnen verbundene Hip-Hop-Kultur politische Standpunkte vertritt, ist der Großteil ihres politischen Aktivismus beschränkt sich auf Künstler, die ihre "Unterstützung" und ihre Talente ausleihen. Hip-Hop-Kultur, wie wir sie kennen, kann daher derzeit nicht angemessen eine politische Bewegung fördern. Hip-Hop
Doch Hiphop ist in erster Linie eine kulturelle Ausdrucksform, sodass aus der gemeinsamen Haltungen, Werte, Ziele und Praktiken entstehen, die eine Teilmenge der afrikanisch-amerikanischen Gemeinschaft ausmachen. Politik, wie sie hier gemeint ist, ist definiert als die Kunst oder Wissenschaft, die sich mit der Beeinflussung der Regierungspolitik eines Staates befasst. In grundlegenden Begriffe, gibt es also die Sensibilisierung für die Brutalität der Polizei durch einen Song oder die Rap/Hiphop Performance mit Kritik-Einlage, aber in Wirklichkeit sind diese Dinge Anlass dafür, dass die Massen die Regierung zwingen, Veränderungen in der Polizei-Abteilung zu vollführen und/oder die Gesetze zur Verfolgung von korrupten Polizisten zu verschärften. Um mit Public Enemy Frontmann, Chuck D, zu reden: Wir brauchen keine Hip-Hop-Ärzte oder Hip-Hop-Politiker. Die Führung aus der post-bürgerlichen Generation muss in der Lage sein, mehr zu tun als Reime über die Probleme zu machen, sie muss das Geld aufbringen und die Organisationen gründen. Die rechte (Anml. von Hiphop-SMS.com: Gemeint ist die politische Führung der USA. Wir distanzieren uns von dieser Einschätzung der politischen Richtung dieser Führung.) Führung muss verstehen und erkennen, was die Relevanz von Hiphop-Kultur ist. Und die neuen Frontmänner der Hiphop-Schule müssen nicht nur versiert und proffessionell sein, sondern müssen auch in der Lage sein, Politik zu machen - aber wie erwähnt, ohne Politiker werden zu müssen.
Harold Cruse plädiert in seinem bahnbrechenden Werk dafür, dass die 1. wahre Black Empowerment in der Geschichte erfordert, dass wirtschaftliche, kulturelle und politische Ziele gleichzeitig verfolgt werden. "Kurz gesagt, Harlem [das symbolische Zentrum von Black America] existiert zum Nutzen der anderen und hat keine kulturelle, politische oder wirtschaftliche Autonomie. Daher kann keine soziale Bewegung, keine Protest in Harlem erfolgreich sein oder irgendeinen positiven Sinn haben, es sei denn, es ist zu ein und der selben Zeit eine politische, wirtschaftliche und kulturelle Bewegung. Harlem Eine Protest-Bewegung, die nur politischen, wirtschaftlichen oder nur kulturelle Hintergrund hat, ist zum Scheitern verurteilt. Es muss sich um eine kombinierte Bewegung handelt!"
Auf Obama wollen wir gerne demnächst eingehen. Bitte habt Verständnis, dass uns im Moment alle Hände gebunden sind, weil wir auch noch andere Internet-Projekte betreuen müssen.